12.03.2016

Oldtimerei in Zahlen - Daten, Fakten, Ergebnisse

Im heurigen Jahr des Automobilen Kulturgutes lohnt sich ein Blick auf die Relevanz der österreichischen Szene.

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Anlässlich des Internationalen Jahres des Automobilen Kulturgutes im Jahr 2016 ist es von Seiten des ÖMVV (Österreichischer Motor-Veteranen-Verband) wieder an der Zeit an die Bedeutung dieses Themas in Bezug auf die gesellschaftliche Relevanz, wirtschaftlichen Größenordnung, die geringe Relevanz in Bezug auf Umweltthemen, Tourismus und Leidenschaft und Sympathie großer Teile der Bevölkerung hinzuweisen. Im Jahre 2014 gab es diesbezüglich eine großangelegte Studie der FIVA, die diese Themen beleuchtet und die an Aktualität kaum verloren hat.

Historische Fahrzeuge sind Teil unserer Kultur und Gesellschaft. Unser kraftfahrttechnisches Erbe ist Teil unserer gesellschaftlichen Entwicklung. Historische Fahrzeuge sind Zeugnisse des Stils, des technischen Fortschritts und der sozioökonomischen Entwicklung ihrer Zeit. Im Laufe der Jahre haben Millionen von Menschen weltweit Fahrzeuge aller Arten, Marken, Typen und Preiskategorien bewahrt. Einige dieser Menschen wenden viel Zeit, Energie und Geld auf, um die Verkehrstauglichkeit ihrer Fahrzeuge aufrecht zu erhalten. Sie können somit quasi als Pfleger eines riesigen, allgemein zugänglichen rollenden Museums für kraftfahrttechnisches Erbe angesehen werden. Zudem wirkt sich die Oldtimerei äußerst positiv auf die Wirtschaft aus. Von ihr profitieren nicht nur tausende Betriebe, die Produkte und Dienstleistungen für Oldtimerliebhaber anbieten, sondern in erheblichem Maße auch die Tourismusbranche. Weltweit sorgen die Mitglieder der Clubs, der Dachverbände und der FIVA für eine Belebung und Bereicherung sowohl des gesellschaftlichen als auch des kulturellen Lebens, deren Umfang und Wert in Europa die vorliegende Studie näher untersucht.

ZUSAMMENFASSUNG DER FIVA STUDIE
Diese Studie zeigt, dass die Oldtimerei in vielerlei Hinsicht an der Wertschöpfung unserer Gesellschaft, nicht nur in wirtschaftlichem Sinne, sondern auch kulturell und gesellschaftlich, beteiligt ist. EU-weit teilen deutlich über eine Million Menschen die Leidenschaft, ein historisches Fahrzeug zu besitzen und zu fahren. Die meisten suchen durch Clubmitgliedschaft Gleichgesinnte. Ihre gemeinsame Leidenschaft verbindet Menschen aus allen Gesellschaftsschichten, ungeachtet ihrer Herkunft und ihres Standes. Sie treffen sich in vielen Fällen an Orten, die sie sonst nie besucht hätten – sowohl in ihrem eigenen Land als auch im Ausland. Die Clubs sind die treibende Kraft hinter dieser Aktivität, wie ihre zigtausend Veranstaltungen zeigen. Die Branchenbefragung ist eine Momentaufnahme des vielseitigen und umfangreichen Oldtimersektors. Es gibt einige große Marktakteure, teilweise mit engen Verbindungen zu traditionsreichen Unternehmen der europäischen Automobilindustrie. Bei der Mehrzahl handelt es sich jedoch um kleine Betriebe, und in manchen Fällen stellen die Einnahmen aus dem Oldtimergeschäft ein Zusatzeinkommen zu ihrem regulären Geschäft dar. Die Fragmentierung dieser Betriebe und das Fehlen einer zentralen Dachorganisation in den meisten Ländern erschweren es, den Umfang und den Wert der Branche in genaue Zahlen zu fassen. Daher sind die angegebenen Umsatz- und Beschäftigungsdaten reine, wenn auch vorsichtige Schätzungen. Hier bedarf es weiterer Untersuchungen. Dennoch hat die vorliegende Studie schlüssig gezeigt, dass es für zahlreiche Betriebe schwierig ist, qualifiziertes Personal zu finden. Dieses Thema stellt ein ernsthaftes Problem dar und muss angegangen werden. Ein möglicher Lösungsansatz sind Aus- und Weiterbildungsprogramme auf EU-Ebene, aber auch lokale Aktivitäten sind gefragt. Die Antworten der knapp 20.000 Teilnehmer der Halterbefragung verdeutlichen, dass sie ihre historischen Fahrzeuge ganz anders behandeln und nutzen als ihre Alltagsautos und -fahrzeuge. Dabei beschränkt sich die Nutzung der Fahrzeuge in erster Linie auf die Teilnahme an Veranstaltungen oder auf Freizeitausfahrten in landschaftlich schönen Regionen, wovon die Tourismusbranche in den Ländern profitiert. Wo sie fahren, erregen sie Aufmerksamkeit. Meist ziehen historische Fahrzeuge im Straßenverkehr alle Blicke auf sich und zaubern den Menschen ein Lächeln auf die Lippen. Die Freude und Sympathie die das rollende Kulturgut hervorruft ist ungebrochen. Abhängig vom Fahrzeugtyp bewegen sich die Ausgaben, die Halter für den Erhalt der Fahrtüchtigkeit ihrer Fahrzeuge tätigen, innerhalb einer großen Bandbreite – der Erhalt eines Schwerlastkraftwagens kostet mehr als der eines Mopeds – und hängen natürlich auch von den verfügbaren Mitteln ab. Allerdings zeigt die Vielfalt der Fahrzeuge und Halter auch, dass der Besitz und die Freude an einem historischen Fahrzeug keinerlei Klassenunterschiede kennen und auch ein moderates Einkommen keinen Hinderungsgrund darstellt, sich der Gemeinde der Oldtimerbegeisterten anzuschließen. Wenn diese Halter Zeit und Geld in ihre Leidenschaft für historische Fahrzeuge investieren, bewahren sie damit in Europa Automobiles Kulturgut zu unser aller Nutzen. Die FIVA und die Dachverbände der Mitgliedsländer werden auch in Zukunft Fakten und Zahlen sammeln, die für das gemeinsame Ziel relevant sind: die Fahrzeuge von gestern auf den Straßen von morgen zu erhalten.

ERGEBNISSE FÜR ÖSTERREICH
Der durchschnittliche Oldtimerbesitzer besitzt 2,9 Fahrzeuge (EU 2,2) ist männlich (94 %) und 54 Jahre alt, beim Alter liegen wir im europäischen Schnitt, bei der Frauenquote mit 6% (EU-weit 2 %) deutlich darüber. Das durchschnittliche Haushaltseinkommen beträgt € 61.698.- jährlich und 50% der Oldtimerbesitzer wohnen in Gemeinden unter 10.000 Einwohner, also eher im ländlichen Bereich. Das Einkommen stammt bei 46 % aus einem Angestelltenverhältnis, bei 20 % aus selbstständiger Erwerbstätigkeit und bei 25 % handelt es sich um Personen im Ruhestand.

Die Fahrzeuge werden zu 71 % in privaten Garagen abgestellt. Der durchschnittliche Wert der Oldtimer-PKW beträgt € 26.903,- (EU 21.043,-), der Motorräder € 5.847,- (EU 6.858,-), das durchschnittliche Baujahr liegt bei den PKW bei 1963 (EU 1966) und bei den Motorrädern bei 1958 (EU 1963). Es werden in Österreich nur durchschnittlich 36 Tage im Jahr mit dem Oldtimer gefahren und dabei legt der Intensivnutzer (häufige Teilnahme an Veranstaltungen) zirka 4.600 km pro PKW und 1.500 km pro Motorrad zurück. Die km-Leistung des reinen Genussfahrers liegt deutlich darunter. Der europäische Durchschnitt liegt bei 2.500 km für PKW und 1.100 km für Motorräder pro Jahr. Damit kommt auch der Wichtigkeit und dem belebenden Faktor für den Tourismus überdurchschnittliche Bedeutung zu.

Zusätzlich zu den Studienergebnissen sollte man anführen, dass lt. Statistik Austria in Österreich (Stand 2014) bis Baujahr 1986 - 103.090 PKW, 154.253 Motorräder, Motorfahrräder und Leichtmotorräder sowie 7.148 LKW und Omnibusse  - zugelassen sind. Geht man davon aus, das zirka 80% als erhaltungswürdig anzusehen sind und damit als historische Fahrzeuge gelten (genaue Zahlen liegen hier nicht vor), sprechen wir in Relation zum gesamten Fahrzeugbestand mit etwa 4,6 Mio Fahrzeugen (nur PKW) von einem Anteil von 1,8%. Damit liegt auch der Anteil der historischen Fahrzeuge (PKW) an der Gesamtkilometerleistung des PKW-Individualverkehrs unter 1%. Dazu kommt, dass sich die Nutzung dieser Fahrzeuge in erster Linie auf die Teilnahme an Veranstaltungen oder auf Freizeitausfahrten in landschaftlich schönen Regionen beschränkt und weit vorsichtiger, eher bei schönem Wetter und außerhalb der Stoßzeiten gefahren wird.Damit ist die aktive Beteiligung historischer Fahrzeuge am gesamten Straßenverkehr sehr gering und damit verbunden auch alle Themen wie Umweltbelastung und Straßennutzung kaum nennenswert.

Bei der Teilnahme an Veranstaltungen liegen wir bei den Antwortenden über dem EU-Schnitt: 5,5 mehrtägige Veranstaltungen besucht der Österreicher jährlich, und es werden dabei 4,7 Nächte in einem Hotel verbracht, was allein schon ein Volumen von ca. 20 Mio. Euro an Ausgaben für Beherbergung ergibt.
Der technische Zustand der Fahrzeuge ist über dem europäischen Durchschnitt, 86 % sind zum Straßenverkehr zugelassen (EU 81 %). Der durchschnittliche Oldtimerbesitzer gibt beim Ankauf eines historischen Fahrzeuges rund 18.000,- Euro aus.

Ein ganz wesentlicher Wirtschaftsfaktor sind die durchschnittlichen jährlichen Ausgaben für die Fahrzeuge, es wurde dabei versucht das Ergebnis der Umfrage an Hand einer Zahl von ca. 30.000 Besitzerinnen und Besitzern von Oldtimern in Österreich hochzurechnen:

Ausgaben für     EU-Schnitt    Österreich    Volumen Österr. in €
Restaurierung    2.335,-        4.029,-        121,870.000,-
Service                  840,-        1.041,-          31,230.000,-
Zubehör                607,-           884,-          26,520.000,-
Garagierung          934,-         1.092,-         32,760.000,-
Versicherung         358,-            653,-         19,590.000,-
Steuern/Maut        188,-            495,-         14,850.000,-
Gesamt    Österreich                246,820.000,-

Die Wirtschaftsleistung aus dem Bereich Oldtimer kann also - nur als Ausgaben der Privatpersonen für die Fahrzeuge - mit einer Größenordnung von rund 250 Millionen € pro Jahr angenommen werden, davon allein 15 Millionen € an direkten Steuern an den Staat, aber auch von den anderen Ausgaben fließen natürlich Steuern und Abgaben ins Bundesbudget.

Bei den Einnahmen für die Tourismuswirtschaft wurden in der Umfrage nur die Nächtigungen bei den mehrtägigen Veranstaltungen erfasst, aber Kosten für Verpflegung fallen auch bei Klein- und Kleinstveranstaltungen wie Clubausfahrten oder Spazierfahrten Einzelner an, das Gesamtvolumen für die Gastronomie wird daher mit rund 40 Millionen € anzunehmen sein.

Die Antworten der Clubs und Fachbetriebe zeigen EU-weit ein Bild, das aus Österreich bereits zur Genüge bekannt ist: Der Betriebsinhaber eines Oldtimer-Fachbetriebes ist durchschnittlich 57 Jahre alt, seine Mitarbeiter 46 Jahre. Ein Oldtimerbetrieb beschäftigt im Schnitt 4,5 Arbeitnehmer, auf Grund der kleinen Betriebsgröße bilden aber nur 17 % Lehrlinge aus. Große Sorge bereitet den meisten Betriebsinhabern die zukünftige Entwicklung, wie bürokratische Auflagen oder das Finden geeigneter Fachkräfte.

Bei den antwortenden Clubs ist große Aktivität erkennbar: ca. 57 % der Clubs organisieren mehrtägige Veranstaltungen, und 46 % der Clubs beteiligen sich an Wohltätigkeitsveranstaltungen ¬ ein wichtiger Punkt für das Image der Oldtimer in der Gesellschaft. Dem gegenüber steht bei der Hälfte der Clubs jedoch das Problem Menschen zu finden, die sich ehrenamtlich engagieren wollen. Jugendarbeit muss daher groß geschrieben werden.

Fakt ist, dass das historische Fahrzeugwesen in Österreich eine bedeutende gesellschaftliche Relevanz, wirtschaftliche Größenordnung, nur geringe Relevanz in Bezug auf Umweltthemen, aber wichtig für den Tourismus ist. Die Leidenschaft und Sympathie großer Teile der Bevölkerung ist ungebrochen und es ist dem ÖMVV (Österreichischer Motor-Veteranen-Verband), als Dachverband für das historische Fahrzeugwesen ein wesentliches Anliegen unser rollendes automobiles Kulturgut auch in Zukunft für künftige Generationen auf den österreichischen Straßen zu erhalten.

Die Details zur Studie mit allen Zahlen und Ergebnissen finden Sie im Anhang zu aktuellen Presseinformation.

Quellen: Sozioökonomische Marktforschung der FIVA 2014, ©STATISTIK AUSTRIA Bestand 2014 Q, Jahr der Erstzulassung bis einschließlich 1986, VCÖ Analyse 2014

Über den ÖMVV:
Der Österreichische Motor-Veteranen-Verband (ÖMVV) ist der Dachverband für das historische Fahrzeugwesen in Österreich, als solcher die Interessensvertretung der OldtimerbesitzerInnen gegenüber dem Gesetzgeber und Serviceorganisation für seine Verbandsmitglieder. Zurzeit gehören dem ÖMVV 83 Clubs mit zirka 9.000 Mitgliedern an, sowie ÖAMTC und ARBÖ als außerordentliche Mitglieder.
Der ÖMVV ist stimmberechtigtes Mitglied im „Beirat für historische Kraftfahrzeuge“ beim Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie (BMVIT). Gerade in Zeiten hoher Sensibilität in Fragen der Umwelt, ist die Interessensvertretung der BesitzerInnen historischer Fahrzeuge und die Erhaltung rollenden Kulturgutes von großer Wichtigkeit. Der enge Kontakt mit gesetzgebenden Gremien, Behörden, Politik und Öffentlichkeit auf allen Ebenen und unter Ausnutzung aller Kommunikationskanäle steht daher im Vordergrund um die positive Stimmung für das Oldtimerwesen auch in jüngeren Zielgruppen zu fördern.
Der ÖMVV steht mit internationalen Dachverbänden im laufenden Erfahrungsaustausch, um EU-weite Lösungen zu erreichen und ist gleichzeitig die nationale Autorität des Weltdachverbandes FIVA (Fédération Internationale des Véhicules Anciens) in Österreich. Damit ist der ÖMVV berechtigt die FIVA ID-Card für in Österreich zugelassene Fahrzeuge auszustellen Die FIVA ID-Card ist ein im Rahmen der FIVA anerkanntes, internationales Dokument, das über die technischen Daten eines Fahrzeuges und dessen Identität Auskunft gibt.
Die intensive Informationsarbeit des ÖMVV als Dachverband gilt nicht nur den Clubs, sondern auch verstärkt direkt den Besitzern und Besitzerinnen historischer Kraftfahrzeuge. Auf diese Weise sollen Personen, die noch keinem Club angehören, für die Verbandsmitglieder interessiert  und an die österreichische Clubszene herangeführt werden.

Über die FIVA:
Die FIVA („Fédération Internationale des Véhicules Anciens“) wurde vor fast 50 Jahren als Weltorganisation zur Wahrung der Interessen von Oldtimerbegeisterten gegründet. Sie ist eine nicht gewinnorientierte Organisation mit Sitz in Frankreich und Mitgliedern in über 60 Ländern auf allen Kontinenten. Mitglieder der FIVA sind die nationalen Organisationen, die sich dem Erhalt des kraftfahrtechnischen Erbes in ihrem Heimatland widmen. Diese Verbände von Oldtimerclubs repräsentieren rund 1,5 Millionen Menschen. Ihr gemeinsames Ziel ist der Erhalt der historischen Fahrzeuge, die sie so schätzen, und deren gelegentliche Nutzung für ihren eigentlichen Daseinszweck: Den Spaß am Fahren! Daher lautet das FIVA-Motto: Fahrzeuge von gestern auf den Straßen von morgen.
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Kontakt

Mag. Christian Schamburek

Leopold Gattringer Straße 55
A-2345 Brunn am Gebirge 

Mobil: +43 (0) 664 620 11 10
Email: c.schamburek@csc-communication.com 
Web: www.csc-communication.com

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